Parkinson-Krankheit: von molekularen Mechanismen bis zur Patientenversorgung

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Frank Jons
Die Parkinson-Krankheit führt zu Symptomen wie Zittern, Steifheit und allgemeiner Langsamkeit der Bewegungen. Im Laufe der Zeit kann eine Person mit Parkinson Schwierigkeiten beim Sprechen, Schlucken oder Schlafen bekommen. Dies betrifft rund 1000 Menschen in Luxemburg und 7 bis 10 Millionen weltweit. Damit ist die Parkinson-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Es wird angenommen, dass sich die Anzahl der Betroffenen bis 2050 verdoppeln wird, da die Lebenserwartung insgesamt zunimmt.
Es wird vermutet, dass eine schnellere Alterung und folglich das Absterben von Dopamin-produzierenden Nervenzellen, die dieser Krankheit zugrunde liegen, durch sowohl genetische als auch umweltbedingte Faktoren beeinflusst werden. Aber wie genau sie den pathologischen Prozess in diesen Zellen auslösen, ist bis jetzt noch unklar.
Am LCSB steht die Parkinson-Krankheit im Mittelpunkt unserer Forschung. Mit der vielfältigen Expertise des Zentrums betrachten wir sie aus allen Blickwinkeln, um die molekularen Mechanismen dieser Krankheit zu verstehen: Können wir Untergruppen von Patienten basierend auf molekularen und klinischen Merkmalen definieren? Welche Rolle spielen Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, bei Parkinson? Können wir im Blut oder Urin neue Biomarker finden, mit denen wir die Krankheit früher diagnostizieren können, noch bevor motorische Symptome auftreten? Können personalisierte 3D-Nervenzellkulturen, die aus den Hautzellen des Patienten stammen, dabei helfen, neue Therapeutika zu finden? Wie können wir die bestehenden Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit Parkinson verbessern? Können wir vorhersagen, wie sich die Krankheit bei jedem Patienten im Laufe der Zeit entwickeln wird? Welche Rolle spielen Mikroben oder Umweltfaktoren bei der Entstehung der Krankheit?
Die Luxemburger Parkinson Studie
Im Jahr 2015 richtete der Luxembourg National Research Fund (FNR) das National Center for Excellence in Research on Parkinson (NCER-PD) ein, in dem fünf luxemburgische Forschungsinstitute ihre Expertise im Bereich der Parkinson-Krankheit bündeln. Das LCSB spielt eine Schlüsselrolle in diesem Verbundforschungsprogramm, welches von Prof. Rejko Krüger geleitet wird. Mehr als 1.400 Freiwillige mit und ohne Parkinson haben bereits an der Luxemburger Parkinson Studie teilgenommen, und helfen damit neue Wege zu finden, um die Krankheit früher zu diagnostizieren und besser behandeln zu können. LCSB-Forscher kombinieren klinische und psychologische Informationen sowie molekulare Daten aus biologischen Proben wie Blut oder Urin und suchen nach neuen Biomarkern, die Patienten von Menschen ohne Parkinson-Krankheit unterscheiden. Erste Ergebnisse zeigen vielversprechende Unterschiede in der molekularen Zusammensetzung des Blutes und der mikrobiellen Gemeinschaft im Darm. Sie werden nun für die klinische Verwendung als diagnostischer Marker weiter untersucht. Kürzlich wurde auch eine Hirnbank gegründet, um Studien auf der Basis von Gehirngewebe zu ermöglichen.
Verbesserung der Tiefenhirnstimulation
Eine Therapieoption für die fortgeschritteneren Stadien der Parkinson-Krankheit ist die Tiefenhirnstimulation. Hier werden den Patienten Elektroden in bestimmten Bereichen des Gehirns chirurgisch implantiert. Diese können einige der Symptome wie Zittern oder Muskelsteifheit durch elektrische Aktivität beeinflussen. LCSB-Forscher um Ingenieur Prof. Jorge Goncalvez und Neurochirurg Prof. Frank Hertel haben Computer gestützte Navigationssysteme entwickelt, um die Elektroden genauer zu positionieren und die elektrische Stimulation anzupassen. Zukünftig sollen Kombinationen neuartiger Elektroden und Sensoren entwickelt werden, mit denen die im Gehirn freigesetzte Dopaminmenge erfasst und das Zittern des Patienten gemessen werden kann. Die Verwendung dieser Art von Informationen in einer Rückkopplungsschleife würde es ermöglichen, die Stimulation zu einem bestimmten Zeitpunkt besser auf die spezifischen Bedürfnisse jedes Patienten abzustimmen.

Integrierte, patientenorientierte Versorgung
Darüber hinaus wollen wir die Therapie verbessern, die Patienten bereits heute zur Verfügung steht. Im Jahr 2017 hat das LCSB ParkinsonNet Luxembourg eingerichtet, das auf einen integrierten Versorgungskonzept aus den Nierderlanden beruht. ParkinsonNet bildet medizinisches Fachpersonal, wie zum Beispiel Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten, nach evidenzbasierten internationalen Richtlinien aus. Dies trägt nicht nur zu einer gezielteren Behandlung von Parkinson-Patienten sondern auch zur Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den verschiedenen Gesundheitsdisziplinen bei. Somit stellt das Programm die Bedürfnisse der Patienten in den Mittelpunkt und vereinfacht den Zugang zu einer spezialisierten Versorgung.